über das collektif:capslok

Das collektif:capslok hat sich Anfang 2020 in Hannover zusammengefunden: zuerst war da ein Raumschiff, dann war ein Gedanke im Raum, dann transformierte sich der Gedanke in einen Roboter und so hat der Roboter angefangen, den Raum in seine Einzelteile zu zerlegen, zu dekonstruieren, anzuzünden. Diese gegenwärtigen Einzelteile betrachten wir:

Man hat uns erzählt, das alles eben so ist wie es ist, aber das glauben wir nicht. Man hat uns erzählt, dass Theater eben so funktioniert, wie es aussieht, aber das glauben wir nicht. Man hat uns erzählt, dass Kunst ernst und elitär ist, aber das glauben wir nicht. Wir glauben stattdessen daran: 

Dass die Bühne ein Möglichkeitsraum ist. 

Dass jeder Raum eine Bühne sein kann. 

Dass die ganze Welt aus Möglichkeiten und Vielleichts und Konjunktiven besteht. 

Dass, demzufolge, alles in diesem fluiden Zustand, immer veränderbar ist. 

Das alles bedeutet: nichts muss so sein, wie es ist. Das Theater und die Welt und wir alle sind in einem Zustand des konstanten Fluxus. Wir sind dafür verantwortlich, was passiert, wenn nichts so ist, wie es sein muss. Das Theater ist hierfür unser Werkzeug, unser Handwerk, unser Medium, unser Raum. 

Auf der Bühne gehen wir von einer parallelen Realität aus – wir sind zur bedingungslosen Reflektion gezwungen, wir sitzen und gucken zu. Wenn das Theater der einzige Ort ist, an dem wir uns und die Welt wirklich reflektieren, spiegeln, betrachten können: dann muss das auch umgekehrt gelten und der Spiegel kann zeigen, was noch nicht ist, aber vielleicht wird. Wir wollen nicht abbilden, was ist: wir wollen erschaffen, was sein könnte. 

Das collektif:capslok stürzt sich jetzt mit einer gesunden (oder auch ungesunden) Portion Größenwahnsinn in diese Welt- und Theaterrevolution. Wir wollen neue Welten erfinden und erzählen, wir wollen überall und immer Theater, wir wollen uns die Wahrheit vorstellen, wir wollen eine von der Realität befreite Fantasie, wir wollen die Grenzen unserer Köpfe auflösen wie Badesalz in Wasser. Wir wollen die Zeit verändern, die lineare Zeitwahrnehmung abschaffen, Zeitgeister erschrecken. 

Das collektif:capslok bietet uns diesen Freiraum für Ideen, Experimente und konstruktives Scheitern an den eigenen Versuchen. Das collektif:capslok versucht dabei, schon jetzt so zu arbeiten, wie wir die Welt gerne hätten: fair, transparent, inklusiv. Der Raum, den das collektif:capslok eröffnet, ist feministisch, queer, anti-rassistisch, zukunftsgewandt – Theater darf kein Rückspiegel unserer Gesellschaft sein, sondern eine Projektionsfläche der Zukunft. Das collektif:capslok will eine real existierende Utopieinsel sein. An unserem Ufer sollen die Wellen des Althergebrachten zerbrechen, an den Stränden wird die Kunst bedingungslos gefeiert, und im Inneren der Insel gibt es nichts, was unmöglich ist. Wir müssen uns das Unmögliche vorstellen, die Utopie aufbauen, daran scheitern, und dann sofort wieder etwas Anderes versuchen, sonst wird ja nie irgendwas besser. Und besser muss es werden.

Katharina Zerr ist 1987 als viertes Kind eines Handwerkers und einer Ingenieurin in der ehemaligen UdSSR geboren, dem heutigen Duschanbe in Tadschikistan. 1989 zog ihre Familie nach Hannover, wo Katharina Zerr ihren Schulabschluss machte und erste Theatererfahrungen sammeln konnte.  Auf Hospitanzen in Regie und Bühne folgten Bühnenbildassistenzen und anschließend das Studium Szenografie-Kostüm an der Hochschule Hannover bei Prof. Colin Walker, dass sie 2015 abschloss. 2015/16 assistierte sie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg bei “Peer Gynt” mit Bob Cousins und Simon Stone. Die darauffolgenden drei Spielzeiten war sie als Bühnenbildassistentin am Schauspielhaus Hannover angestellt. Katharina Zerr ist als freie Bühnen-und Kostümbildnerin tätig.

Antonia Kritzer, geboren 1998 in Unterfranken, verließ ihre ländliche Umgebung nach ihrem Abitur 2015 in Richtung der darstellenden Kunst. Nach einem Jahr Regiehospitanzen, unter anderem am GRIPS Theater Berlin, folgte die Festanstellung als Regieassistentin am Schauspielhaus Hannover. Dort arbeitete sie unter anderem mit Tom Kühnel, Thorleifur Arnarsson, Dusan David Parizek und Oliver Frilijc zusammen. Während der Assistenz führte sie selbst in diversen Formaten Regie. So war sie 2017 verantwortlich für Text und Regie im Jugendclub “elf quadratmeter zeit”; in der darauffolgenden Spielzeit inszenierte sie  “LEER_RAUM”, eine site-specific-performance im und über das Ihmezentrum als Kooperationsprojekt zwischen dem Jungen Schauspiel und der Zukunftswerkstatt e.V. 2018 rief sie eine freie Veranstaltungsreihe in der “Galerie Brutal” ins Leben, wo transdisziplinäre, performative Experimente entstehen. Besonders in ihren letzten Arbeiten verfolgt Antonia Kritzer einen transdisziplinären Zugriff, der Wissenschaft, bildende Kunst und Theater verbindet. Im Herbst 2019 arbeitete Antonia Kritzer als Gastassistentin am Theater Oberhausen und ist seitdem als freie Regisseurin tätig.

Lea Taake, Geboren 1999, aufgewachsen in Hannover. Von 2014 bis 2018 beteiligte sie sich in diversen Jugendclubs und Produktionen des Jungen Schauspiels in Hannover, darunter auch ein Tanztheater. Zusammengearbeitet hat sie dort unter anderem mit Paul Schwesig und dem Künstler*innenkollektiv Performing Group. Mit der Produktion „Katzelmacher“ wurde sie 2017 zum Theatertreffen der Jugend der Berliner Festspiele eingeladen. Seit 2018 ist Teil der Jury beim Theatertreffen der Jugend. Des weiteren war sie von 2013 bis 2019 aktiv in der Moderation und Redaktion bei dem Regionalsender „radio leinehertz 106.5“, später moderierte sie die Morning-Show und war im Einsatz als Stationvoice. Seit 2018 studiert sie Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste. Seitdem spielte sie unter anderem in dem Fashion-Kurzfilm „Ella“ von Aline Wyrwich, in dem Stück „KASPAR“ im GREND Freudenhaus in Essen und im nächsten Jahr am Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Herbert Fritsch.

Tobias Haupt wurde am 28.04.1987 in Karlsruhe geboren. Nach einem 10-monatigen Praktikum bei einer Filmproduktion in Melle folgte die Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton, die er 2012 erfolgreich bei H1 – Fernsehen aus Hannover beendete. 2013 gewann er als Bildmischer und Kameramann mit “Schindlers halbe Stunde” den Fink Fernsehpreis. Seit Februar 2014 ist er unter dem Namen „Hauptsache Film“ freiberuflicher Mediengestalter Bild und Ton. Wichtig für seine künstlerische Arbeit ist die Arbeit an Musikfestivals (Wacken, Hurricane Festival), wo er als PTZ-Kameramann fester Bestandteil des Filmteams der großen Bühnen ist. Seit 2016 ist er auch in der Theaterwelt zuhause. Nachdem er zwei Dokumentationen für das Staatstheater und die Staatsoper Hannover gedreht hatte, hat er innerhalb von zweieinhalb Jahren an insgesamt 12 Produktionen des Schauspiels Hannover als Videodesigner und Live-Kameramann mitgewirkt. Er arbeitet u.a. mit Thorleifur Örn Arnarsson, Milan Peschel, Lukasz Twarkowski, Claudia Bauer, Tom Kühnel, Martin Laberenz und Alexander Eisenach und Voxi Bärenklau zusammen.

Jule Köpke wurde 1999 in Hannover geboren. Von 2013 bis 2016 war sie aktiv an diversen Jugendclubs und Jugendinszenierungen des Schauspiel Hannovers beteiligt. In den folgenden Jahren war sie Teil des KUBUS ART LAB und KUBUS POWER LAB, unter der Leitung von Nina Aeberhard. Im Zuge dessen, entstanden 2018 zwei Ausstellungen, in denen sie neben eigener Sound- und Installationsarbeit, auch für die Organisation mitverantwortlich war. Seit 2019 studiert sie den BA Culture, Criticism and Curation an der University of Arts London und beschäftigt sich seither mit der Schnittstelle von wissenschaftlichem Arbeiten, Journalismus und dem Kuratorischen.